Modegeschichte(n) aus Lech

Ob auf der Piste oder beim Après-Ski, wer in den Alpen modisch up to date sein will, blickt nach Lech. Mit Beginn des Wintertourismus entstanden Schneidereien und Sporthäuser. Innerhalb eines Jahrhunderts entwickelte sich die einstige Schuhmacherwerkstatt Strolz zum renommierten Mode- und Sporthaus. Die Ausstellung des Lechmuseums zeigt die Vielfalt der Skimode von der Keilhose bis zur High Functional Wear anhand von hochwertigen Leihgaben und Fotos. Besucherinnen und Besucher erzählen von ihrem Lieblingsstück und können in der offenen Nähwerkstatt selbst Mode gestalten.


Mit der „Geburt“ des Skisports und der Ankunft und der Ankunft der ersten Touristinnen und Touristen ab 1885 hielt auch die Mode Einzug in die Alpenregion. „FESCH! Mode für den Schnee“, die aktuelle Ausstellung im Huber-Hus, thematisiert Bedeutung und Auswirkungen der Skimode: die Herstellung, die Trägerinnen und Träger und die Orte, an denen die Kleidung präsentiert wird. Neben den Pisten werden Hotels und Promenaden zum „Laufsteg“. Modische Trends spielen in der Ausstellung ebenso eine Rolle wie die Auswahl der Farben und die generelle Frage danach, was Kleidung mit uns macht. Beim Vergleich mit anderen Wintersportorten konstatieren die Ausstellungsmacherinnen Monika Gärtner, Sabine Maghörndl, Birgit Heinrich und Martina Sepp in Lech eine Klientel, die auf Mode einen größeren Wert legt als in anderen Destinationen. Doch schön sein alleine genügt nicht. „Was man sich kauft, damit soll man auch den Schlegelkopf hinunter kommen“, beschreibt die Kuratorin Birgit Heinrich das Credo in Lech: „stylish und sportlich zugleich“. Unter diesem Motto entwickelte das Lecher Modehaus Strolz 1992 seine „Strolz Snowsilk Kollektion“ mit Edelweißmotiven.


Skimode nach Maß

Als Skibekleidung noch nicht von der Stange gekauft werden konnte, entstanden in Lech zahlreiche Sport- und Modehäuser. 1921 gründete Ambros Strolz seine Schuhmacherwerkstatt. Das hundertjährige Jubiläum gab den Anlass für die Ausstellung, Strolz fungiert als Kooperationspartner und Modeexperte vor Ort. In der Gemeinde gab es zudem mehrere Schneiderwerkstätten, die quasi über Nacht für angereiste Touristen die berühmten Keilhosen nähten. Entworfen wurde die Keilhose um 1930 von Maria Bogner in München. Je nach Stoffart ließ sich damit auch beim Après Ski eine gute Figur machen. Welche Bedeutung die modische Etikette für die Hotelklientel der gehobenen Klasse hatte, lässt sich aus dem Werbeprospekt des Zürserhofs von 1934 entnehmen. Zum Dinner wurde ganz selbstverständlich von den Herrn Smoking und von den Damen Abendtoilette erwartet.





Modegeschichten

Die Frage nach den „Lieblingsstücken“ weckt nicht nur bei Frauen Erinnerungen. In der Ausstellung „FESCH!“ sind ganz persönliche Geschichten nachzulesen. Stefan Bischof erzählt von seiner gelben Jethose, mit der er in den 1970er Jahren als junger Bursche lässig in der Mohnenfluh-Gondel posierte. Es sind Geschichten, die der Mode in den Alpen ein Gesicht verleihen. Judith Paternos (geb. Mähr) aus Schruns erinnert sich: „Im März 1947 kam der bekannte österreichische Presse- und Sportfotograf Lothar Rübelt nach Lech. Er fotografierte Trude Jochum-Beiser und mich und schenkte uns beiden gemeinsam einen wunderschönen dunkelblauweißen Norwegerpullover. Es war unser erster Norwegerpullover und fast eine Sensation, man muss ja daran denken, dass es damals nicht viel gab. Die Schwester von Othmar Schneider nähte zu jener Zeit, das weiß ich noch genau, aus altem Verbandszeug einen Sommerpullover. Trude JochumBeiser und ich waren die einzigen Mädchen, die damals Ski gefahren sind. Wir mussten uns den Pullover also teilen, wenn eine von uns etwas vorhatte, bekam diejenige den Norwegerpullover. Dazu trugen wir ein schönes Kappele, welches man vorne zubinden konnte.“


"Genähte" Nachhaltigkeit

Um 1900 trugen die Skifahrer Kniebundhosen aus steifem Loden, Gamaschen aus dickem Filz, wollene Jacken und Jacketts, die Damen Skikostüme mit Jackett und leicht gekürzten Röcken. Loden, Filz und Wolle sind Materialien, die aktuell in der hochpreisigen Mode wieder an Bedeutung gewinnen und im Trend liegen. So schließt sich der Kreis. Nachhaltigkeit und Recycling rücken bei der Materialwahl in der Outdoor-Mode der letzten Jahre immer mehr ins Bewusstsein. Stimmt es doch überaus nachdenklich, dass im Gletschereis Plastikfasern, wie sie in den 1980er Jahren verwendet wurden, nachgewiesen werden konnten. Wiederverwertung soll in der Ausstellung „FESCH!“ keine leere Phrase bleiben: In einer offenen Nähwerkstatt im Huber-Hus können Besucher*innen selbst tätig werden und „Mode machen“.


Ihre Kleidergeschichte

Erzählen Sie uns Ihre Kleidergeschichten! Bringen Sie uns Fotos, kurze Texte oder alte Kleidungsstücke. Aus allen erhaltenen Stücken und Geschichten wird jeweils ein „Objekt des Monats“ ausgewählt, das dann temporär Teil der Ausstellung „FESCH! Mode für den Schnee“ wird.


Offene Nähwerkstatt im Huber-Hus

Die offene Nähwerkstatt steht Einzelpersonen oder Gruppen zur Verfügung, es finden auch Workshops statt. Eine Nutzung außerhalb der Öffnungszeiten ist nach Vereinbarung möglich.

FESCH! Mode für den Schnee Lechmuseum im Huber-Hus,

Dorf 26, 6764 Lech am Arlberg


Ausstellungsdauer: bis April 2023 Öffnungszeiten: Do. bis So., 15.00 bis 18.00 Uhr Führungen außerhalb der Öffnungszeiten nach Voranmeldung möglich Im Oktober und November nur nach Voranmeldung geöffnet +43 (0)5583 2213 240 museum@gemeinde.lech.at


Virtuelles Lechmuseum Videos mit der Museumsmaus Huberta und ihrem Freund Odo, verschiedene Hörstücke, Aktivitäten zum Mitmachen und vieles mehr. www.lechmuseum.at

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