Organisationsentwicklung für Lech - Interview

Im Gespräch mit Vizebürgermeisterin Mag.a Cornelia Rieser


Unser OE-Prozess ist ein Miteinander und kein Gegeneinander.

Was ist das Ziel dieses Organisationsentwicklingsprozesses?

Ziel ist es einerseits die Verwaltung und die Abläufe auf die Bedürfnisse der Bevölkerung auszurichten und gleichzeitig für die Mitarbeiter mit klaren Kompetenz- und Zuständigkeitsbereichen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das attraktiv ist.


Wie erlebst du die Mitarbeiter unserer Gemeinde?

Ich erlebe sie unglaublich engagiert und vor allem lösungsorientiert. Ich erlebe aber auch den Wunsch nach klaren Strukturen und eindeutigen Wirkungsbereichen und ein Gesehenwerden in der Bevölkerung. Vor allem auch die ausgeschriebene Position des Gemeindemanagers/der Gemeindemanagerin haben viele Mitarbeiter in der Befragung auch artikuliert. Wir möchten, dass die Kompetenz und die Bürgernähe in der Gemeinde noch stärker erlebbar werden. Dadurch entsteht Wertschätzung für die Arbeit in der Gemeinde und das macht Arbeit sinn- stiftend. Das ist auch ein Ziel dieses Prozesses.


Wer begleitet den OE-Prozess?

Die Begleitung und Struktur schaffen Dr. Andreas Pölzl und Mag.a Veronika Meszarits von der ICG. Die ICG ist ein in ganz Österreich agierendes Unternehmen, das sich auf Organisationsentwicklungsprozesse der öffentlichen Hand spezialisiert hat. Sie haben schon in vielen Gemeindestuben und auch Landhäusern bewiesen, dass sie einen guten Job machen. Ich finde uns bestens betreut und nehme vor allem auch ein vertieftes Verständnis von den Abläufen und rechtliche Voraussetzungen in der Verwaltung wahr. Wir sind wirklich in den besten Händen. In einigen Bereichen und Fragestellungen der Gemeindepolitik nehmen die Bürgerinnen und Bürger große Meinungsunterschiede wahr. Wie steht es um den Konsens in dieser Frage?


Ich bin sehr froh, dass sich die Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter – und zwar wirklich quer über alle Fraktionen hinweg – in diesem Prozess einig sind. Das heißt

nicht, dass wir in der Steuerungsgruppe in Einzelfragen nicht unterschiedlicher Meinung sind und diese auch besprechen. Wir haben uns hier auf eine Entscheidungsfindung durch Widerstandmessung geeinigt. Also einfach nur dagegen sein reicht nicht, sondern es muss gut begründet sein. Das ist spannend und wir arbeiten hier wirklich sehr gut zusammen. Ich bin froh, dass wir als Dorf und auch in den politischen Handlungsfeldern mehr sind als unser Gemeindezentrum und ich möchte mich gerne zukünftig auf diese anderen Handlungfelder konzentrieren. Das gibt mir Zuversicht und den Glauben etwas bewirken zu können.


Man merkt, dass dir das Thema am Herzen liegt. Warum?

Wir stehen einfach vor großen gesellschaftlichen und auch finanziellen Herausforderungen. Und auch die Digitalisierung wird vor uns nicht halt machen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man als Unternehmen - und aus meiner Sicht ist die Gemeinde auch ein Unternehmen - nur bestehen kann, wenn man sich gut aufstellt. Dazu gehört für mich ein gutes Team, Bürgernähe und Abläufe, die effizient sind. Erst wenn man nämlich da Klarheit und Kompetenz hat, kann man die unzähligen Projekte gut abarbeiten. Es ist wie beim Hausbauen: erst wenn die Innenräume klar sind, entwickelt sich das Außen. Zumindest dann, wenn man darin leben und sich wohlfühlen will. Dieses Projekt ist ein Zukunftsprojekt, das sicherstellen kann, dass unsere Verwaltung unabhängig von politischen Akteuren einen Mehrwert für uns als Bevölkerung stiftet.


Sind uns da andere Gemeinden voraus?

Ich begleite ja in meinem Beruf als Notarin auch sehr viele Gemeinden und habe da zahlreiche Schnittstellen. Und ganz ehrlich: es gibt gute Beispiele in vielen Gemeinden, die uns da einen Schritt voraus sind. Aber wir haben ja auch als Dorf in der Vergangenheit immer bewiesen, dass wir Herausforderungen gut annehmen können. Es ist immer gut, wenn man sich an etwas Besserem orientieren kann. Dann kann Entwicklung gelingen.


Wo liegen die größten Herausforderungen?

Veränderungen sind für uns Menschen immer eine Herausforderung. Ich denke aber, dass eine der Herausforderungen in einer sauberen Trennung von Politik und Verwaltung liegt. Jahrelanger Usus hat zu einer großen Verschränkung dieser Bereiche geführt. Das zeigen die bisherigen Ergebnisse ganz deutlich. Die Verwaltung muss der Politik den Rücken stärken und umgekehrt muss die Politik die Verwaltung arbeiten lassen. Deshalb halte ich auch diese Position des Gemeindemanagers/der Gemeindemanagerin für so wichtig. Er soll die Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung sein. Er soll der Politik Freiräume für neue Ideen schaffen und sich ums tägliche Geschäft kümmern – und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein kompetenter Ansprechpartner sein und die Ressourcen schonen. Diese Position ist vakant.

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