Status Quo und Zukunft im Tourismus

Interview mit Tourismusdirektor Hermann Fercher


Corona ist weiterhin eines der bestimmenden Themen für die Gemeinde Lech und die Lecher Betriebe. Im Interview zur aktuellen Situation spricht Tourismusdirektor Hermann Fercher offen über die Probleme der Branche – auch in den kommenden Jahren. Und er zeigt mögliche Auswege aus der Krise auf, die man in Lech in den kommenden Monaten und Jahren angehen will.


Was ist die größte Herausforderung für den Tourismus in der Corona-Krise?


Die Unplanbarkeit. Wir sind ständig am Reagieren und nicht am Agieren. Die Unternehmerinnen und Unternehmer in Lech Zürs sind gute Geschäftsleute und kennen die notwendi- gen Strategien, um unternehmerisch erfolgreich zu sein. Aber diese Krise fordert noch mehr von uns. Wir müssen viel kom- munizieren, Geduld zeigen, Empathie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für unsere Gäste aufbringen und eiserne Nerven bewahren. Wir müssen unheimlich aufeinander achtgeben und viel Verständnis zeigen.


Welche Maßnahmen hat die Destination Lech Zürs bzw. haben die Betriebe getätigt, um diesen Herausforderungen zu begegnen?


Gemeinde und Lech Zürs Tourismus haben sehr früh mit Präventionskonzepten reagiert, um die Sicherheit für Einheimische, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Gäste zu gewährleisten. Wir haben öffentliche Diskussionen organisiert, einen Sicherheitsbeauftragten (Andreas Ascherl) ins Boot geholt, auf unserer Homepage die Sicherheitsmaßnahmen gesammelt und dargestellt, die Teststraße im sport.park.lech möglich gemacht und administriert und eine Covid-Arbeitsgruppe mit Leistungsträgern des Ortes ins Leben gerufen. Letztere trifft sich aktuell virtuell alle zwei Wochen. Viele nützliche Initiativen gingen aus dieser Gruppe hervor z.B. das Table4you Buchungssystem. Außerdem waren wir aktiv in der Landesstrategie „Wintercodex Vorarlberg“ involviert und sind auf Bundesebene mit der Österreich Werbung im regelmäßigen Austausch.


Wie schätzen Sie die aktuelle Situation für den Tourismus in Lech ein?

Weder dieser Winter, noch die kommenden 2 Jahre werden normal sein. Ich bin Optimist, aber ich glaube nicht, dass uns der Impfstoff erlösen wird. Vielmehr wird es ein Mix aus Teststrategien und Verhaltensänderungen sein, der eine neue „Normalität“ mit sich bringt. Der Virus wird uns eine Zeit lang bleiben. Wie lange weiß keiner. Wir werden lernen, mit der Gefahr umzugehen, aber Massentourismus in der bisherigen Form wird definitiv anders oder weniger werden. Für Orte wie Lech und Zürs, die immer schon mit „Mehr Raum und mehr Zeit“ geworben haben und diese Philosophie auch praktizieren, werden die unternehmerischen Chancen mittel- und langfristig steigen. Unsere Kleinheit und Langsamkeit wird in Zukunft, egal ob Sommer oder Winter, mehr denn je gefragt sein.

Der Blick in die Zukunft: Wie geht es aus Ihrer Sicht im Tourismusweiter?


Trotzdem wir uns bald ein Jahr in der Corona-Geiselhaft befinden, gibt es seitens der europäischen Regierungen immer noch keine Strategien, die den breiten Schutz der Bevölkerung und die Wiedereröffnung der Tourismuswirtschaft zusammenführen. Die Regierungen müssen sich von der Vorstellung verabschieden, jedes einzelne Individuum vor einer Corona-Ansteckung schützen zu können. Dann müsste das gesamte Wirtschaftsgeschehen auf Jahre im Stillstand verharren.

Mit Hilfe von Testungen, Impfungen, Sicherheitskonzepten und Contact Tracing kann jede Art von Tourismus, Beherbergung und Gastronomie funktionieren. Mit der Öffnung der Gastronomie am 15. März haben wir hierfür einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Die vier Elemente - Testen, Impfen, Sicherheit und Contact Tracing -werden auch die Basis für die kommenden Sommer- und Winter- Angebote sein. Dafür mache ich mich als Vertreter der Lech Zürs Tourismus in den Foren der Bundes- und Landesregierung stark, weil ich der festen Überzeugung bin, dass alle unsere Leistungsträger im Ort und in der Region in der Lage sein werden, die entsprechende qualitative Umsetzung zu erbringen.

Wie wird der touristische Weg in die Zukunft in Lech organisatorisch gestaltet?


Die Abstimmung mit den Leistungsträgern erfolgt auf verschiedenen Ebenen. In Lech Zürs gibt es die „Arbeitsgruppe Covid“, die sich alle zwei Wochen trifft, neben dem Touris- musbeirat (1-2 mal pro Monat), dem Destination Team (1-2 mal pro Monat) und der Gemeindevertretung bzw. dem Gemeindevorstand. Auf Landesebene gibt es wöchentliche Meetings mit den anderen Destinationen, der Vorarlberg Tourismus und der Wirtschaftskammer und auf Bundesebe- ne den „Runden Tisch der Destinationen“, unter der Füh- rung der Österreich Werbung. Diese Gremien nutzen wir alle intensiv, um den erfolgreichen Weg in den kommenden Monaten und Jahren zu gestalten.


Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass uns das gelingen wird und dass wir schon sehr bald wieder ein umfassendes und sicheres touristisches Angebot für unsere Gäste zur Verfü gung stellen können.

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